Damals Nazis, heute Medien

„Damals Nazis, heute Medien“, ein Artikel der Süddeutschen, den man gelesen haben sollte.

„Bishops Soulbath“ von Armatus Liandri

Wie Bischof Gerhard Ludwig Müller von Regensburg versucht, die Berichterstattung über den Kindesmissbrauch in die Nazi-Ecke zu stellen. Das mangelnde moralische Unrechtsbewusstsein des Bischofs hinsichtlich seiner völlig inadäquaten Wortwahl zeigt einmal mehr, wie man es in Regensburg gewohnt ist, mit Kirchenkritikern umzugehen – insbesondere, wenn es um Kindesmissbrauch geht.

Vielleicht hat der Mann aber auch als Kind einfach nur zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, dass er sich jetzt wichtig macht.

Das letzte Aufgebot

Die Bundesjustizministerin der Justiz Leutheusser Schnarrenberger sei Mitglied “einer Vereinigung nach Art der Freimaurer, die Pädophilie als eine normale Sache darstellt, die straffrei zu stellen ist”, meinte Bischof Müller von Regensburg laut einer gefilmten Aussage bei der Zeitung La Stampa, so die Welt.

Gemeint ist die die humanistische Union, diese wehrt sich wegen Verleumdung, die Freimaurer beschweren sich, mit Pädophelie in einem Athemzug genannt zu werden.

Ein gelungenes Ablenkungsmannöver vom sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Das letzte Aufgebot. Nützen wird es der katholischen Kirche nicht.

Näheres berichtet -> dieser Blog.

Papst-Bruder ein Gewalttäter?

Der Bayrische Rundfunk Online berichtet:

Dem Papstbruder

„… sei bekannt gewesen, dass Internatsdirektor Johann M. sehr heftige Ohrfeigen – oft auch aus nichtigen Anlässen – verteilte, so Ratzinger. …  1992 habe M. dann die Schule verlassen, nachdem die Medien dessen raue pädagogischen Methoden aufgegriffen hatten. …“

Mit anderen Worten: Ihm waren Demütigungen und Straftaten gegenüber Schutzbefohlenen bekannt, er hat jedoch die Augen davor verschlossen, statt sich zum Schutz der Schwächeren gegen das Unrecht einzusetzen.

Weiter räumt er ein, früher selbst gewalttätig gewesen zu sein und zeigt nur mangelndes Unrechtsbewusstsein:

Die Ohrfeige vor allem war damals die nächstgelegene Reaktion auf eine negative Leistung oder ein Versagen“, sagte Ratzinger in der PNP. Ratzinger gab zu, auch selbst zu Anfang wiederholt Ohrfeigen ausgeteilt zu haben. Er habe aber immer ein schlechtes Gewissen dabei gehabt. „Ich war dann froh, als 1980 körperliche Züchtigungen vom Gesetzgeber ganz verboten wurde. Daran habe ich mich striktissime gehalten, und ich war innerlich erleichtert“, sagte Ratzinger, so BR-Online

Das ist natürlich hanebüchener Unsinn. Strafbar ist die Körperverletzung seit eh und je. Zumindest seit Geltung des Grundgesetzes traten die Grundrechte und  Menschenrechte in Kraft, so dass die Körperverletzung zu Erziehungszwecken ausgeschlossen war. Das sich viele Menschen in der gewohnten Rechtsausübung dann kriminell verhielten, ändert daran nichts. Erst Jahre nach Inkrafttreten des Grundgesetzes wurde dann vom Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass etwa in der Schule nicht ohne weiteres durch die Lehrer geprügelt werden konnte. Besonders übel: Auch schlechte Schüler wurden anscheinend geschlagen, wegen „schlechter Leistung“.

Das mangelnde Unrechtsbewusstsein des Papstbruders zeigt sich aber darin, dass selbst dann, wenn Gewalttaten erlaubt gewesen wären, dies noch lange keinen Grund darstellt, diese auch anzuwenden: Sich auf diese Weise rechtfertigen zu wollen zeigt im Grunde nur, dass der Papstbruder bis heute die Menschenrechte nicht wirlich anerkannt hat.

Bei der Körperverletzung durch eine Ohrfeige geht es nicht lediglich um den erlittenen Schmerz, sondern insbesondere um die damit verbundene Demütigung, die mit der Menschenwürde schlechterdings unvereinbar ist.

Es mag sein, dass 1980 die Regelung im BGB verdeutlicht wurde: Die Grundrechte waren allerdings seit Geltung des Grundgesetzes dem BGB von Kaisers Gnaden vorrangig. Dass Gewalttaten gegenüber körperlich Unterlegenen angeblich bis 1980 üblich gewesen sein sollen, zeigt doch lediglich, in welch ethisch-moralisch verdorbenen und abstoßenenden Millieu sich der Papstbruder damals bewegt hat.

Fazit: Von diesen Menschen hätte man gar keine Nächstenliebe verlangen sollen, sondern erst einmal, dass sie sich an Recht und Gesetz halten und dass sie die Menschenrechte nicht verletzen.

Die eigentliche Frage lautet: Wie stand oder steht Papst Ratzinger zur Haltung seines Bruders?

Bischof Müller zur Kinderschändung

In der RP-online erschien heute ein Interview mit Bischof Müller.

„Bishops Soulbath“ von Armatus Liandri

Darin sagt er: „Wenn ein einzelner Staatsbürger, der in der Kirche als Priester dient, ein Kind sexuell missbraucht hat, werden gleich der ganze Priesterstand und die Kirche insgesamt verdächtigt. Es ist doch eigentlich Standard des Rechtsstaates, dass jeder nur für seine eigene Tat Verantwortung zu übernehmen hat und nicht auch derjenige, der in derselben Straße wohnt, zur selben Familie oder Firma gehört.“

Mit letzterem hat er grundsätzlich zwar Recht – der Gedanke der Kollektivschuld ist inakzeptabel – jedoch handelt es sich bei Priestern gerade um Personen, die von der Kirche als besonders tugendhaft und vorbildlich hingestellt werden. Es verwundert daher nicht, dass dann im Falle von besonders extrem kriminellem Verhalten wie der Kinderschändung der Hohn und Spott auch die Kirche als Organisation besonders hart eintritt.

Zudem liegt gerade hinsichtlich der katholischen Kirche ein besonderes Problem vor, weil diese ihren Geistlichen nicht nur Frauen verweigert, sondern schlicht jeden Sexualkontakt inklusive der Selbstbefriedigung dämonisiert (Katechismus), so dass gezielt der Sexualtrieb gesteigert wird! Diese Personen, die dann von Amts wegen mit einer besonderen Autorität ausgestattet sind, lässt man dann auf Kinder los. Zudem stellt sich die Frage, ob das Zölibat nicht sogar dazu führt, dass sich gerade sexuell abnorm veranlagte Menschen dort finden: Anders als in sonstigen gesellschaftlichen Bereichen fragt dort nämlich niemand, warum der Mann denn keine Frau hat, ob dies vielleicht mit einer  homosexuell oder sonstigen von der Norm abweichenden Veranlagung zusammen hängt.

Logo der Brights Bewegung

Besondere Aktualität hat die Aussage Müllers, da dieser gerade gegen Brights Marburg mit juristischen Mitteln vorgeht, wegen angeblich fehlerhafter Berichterstattung über einen 22-fachen Kindesmissbrauch durch einen Priester in seinem Bistum: Wir berichteten.

Hinsichtlich der sonstigen unseeligen Antworten aus besagtem Interview wird kurzerhand auf ein anderes Blog verwiesen.