Prügel im Namen des Aberglaubens

Die Zeit schreibt am 08.04.2010:

(…) »Gut ist, was ich glaube, was gut ist«, postulierte Pater Max. Wer gegen diese Prämisse verstieß, wurde mit Wutausbrüchen und Schlägen auf den rechten Weg gebracht. Nachdem sich beim Mittagessen ein Schulkamerad zu viel Soße gegönnt hatte, wurde er von Pater Max geohrfeigt. Wenn wir uns seiner Meinung nach zu viel auf den Teller geschöpft hatten, ließ er uns bis spät in die Nacht im Speisesaal sitzen. Eine Maßnahme, die dem Credo des Heimleiters folgte: »Mit Religion erziehen und formen.« Geformt wurde von dem Pater und den Erziehern mit einprägsamen Methoden: Stecknadelpikser in den Hintern, Schläge ins Gesicht, Ziehen an den Ohren oder Kniebeugen. Einer der Pädagogen hatte eine ganz spezielle Methode entwickelt. Die Delinquenten hatten mit dem Rücken zur Wand und den Knien im rechten Winkel so lange auszuharren, bis sie vor Schmerzen zusammenbrachen. (…)

Zustände wie vor  150 Jahren.

Und das alles, um den eigenen Aberglauben zu verbreiten.

Rohrstockzüchtigung durch Mixa?

Wilhelm Busch, Züchtigung im 19. Jahrhundert, Nachkolorierung Blog, Urheberrechtsfrei

Die Süddeutsche berichtet heute, ein weiteres Heimkind habe sich gemeldet, dass von Mixa verprügelt worden sein soll, allerdings soll es sich in diesem Fall um eine Rohrstockzüchtigung gehandelt haben. Anscheinend konnten Heimkinder nach Belieben gefoltert werden, weil niemand hingesehen hat und ihnen niemand glaubte.

Die Süddeutsche zitiert die 7. Zeugin, die auch unter Eid aussagen würde weiter: „Ich musste die Hose runter ziehen, mich über die Badewanne beugen und bekam dann fünf bis sieben Schläge auf das Gesäß“, … „Die ersten zwei Tage danach war es unmöglich, vernünftig zu sitzen vor Schmerzen.“

Ein Maß, dass man durchaus als sadistische Perversität bezeichnen kann.

Züchtigungen mit dem Rohrstock waren auch damals beim besten Willen nicht mit irgendeinem Erziehungsgedanken zu rechtfertigen. Abgesehen davon soll Mixa gar keine Erziehungsfunktionen in dem Heim wahrgenommen haben. Das Prügeln mit einem Stock ist heute mit Freiheitsstrafe von mindestens 6 Monaten Gefängnis bedroht. Mixas Taten dürften allerdings lange verjährt sein. Es geht allenfalls um die Klärung der moralischen Abgründe. Bisher bestreitet Mixa, überhaupt jemals Kinder geschlagen zu haben.

Die Kirche suspendiert nicht ihn nicht einmal. Welch Hohn für die Opfer. Welche Verantwortung im nachträglichen Umgang trägt der Durchschnittskatholik für seinen Verein?

Kindesmissbrauch: totschweigen?

Logo der Brights Bewegung

Die Internetseite von Brights-Marburg wurde wegen eines Berichts über einen pädophilen Priester abgemahnt. Folgender Satz, den die Seite als Tatsache wiedergegeben hatte, soll lt. Abmahnung falsch sein:

„Das Oberlandesgericht Nürnberg hatte nach der Verurteilung eines pädophilen Pfarrers wegen Ministranten-Missbrauchs deutlich vor der Wiedereinsetzung des Priesters in der Jugendarbeit gewarnt. Das Bistum Regensburg ignorierte das Statement des Gerichts und der heimlich sexhungrige Pfarrer von Riekhofen wurde 2007 prompt rückfällig.“

Auf der Seite des Handelsblattes steht hierzu noch heute: „Das Oberlandesgericht Nürnberg hatte nach der Verurteilung eines Priesters wegen Kindesmissbrauchs eindeutig vor der Wiedereinsetzung des Geistlichen in der Jugendarbeit gewarnt. Das Bistum Regensburg ignorierte die Empfehlung des Gerichts und der Priester wurde prompt rückfällig. Nun steht das Bistum unter Druck.“

Der Betreiber der Internetseite der Brights Marburg, ist sich keiner Schuld bewusst, dass Handelsblatt soll nach seinem Bekunden noch nicht abgemahnt worden sein. Die Texte unterscheiden sich nur marginal in der Wortwahl, zum beispiel im Wort „sexhungrig“, aus dem Handelsblatt-Artikel geht hervor, dass das missbrauchte Kind auch tatsächlich ein Ministrant gewesen sein soll. Die Bezeichnung einer vorgeblich von Amts wegen sexuell enthaltsam lebenden Person, die dann 22-fachen Missbrauch begeht, als „heimlich sexhungrig“ zu bezeichnen, wird jedenfalls auch bestenfalls als unfreundlich, aber nicht als verleumderisch bewertet werden können… drastische Straftaten bedürfen auch einer drastischen Beschreibung und müssen keineswegs auf die gängigen Euphemismen zurück greifen – sonst zwingt man die Presse zur Verharmlosung: Das kann gerade im Bereich des Kindesmissbrauchs keineswegs sinnvoll sein.

Lt. Kommentatoren auf der dortigen Seite stammt die Abmahnung von Bischof Müller von Regensburg. Auf den erfolgten 22-fachen sexuellen Missbrauch des Ministranten „rechtfertigte“ sich der Bischof  lt. Kirchenvolksbewegung folgendermaßen: „Wenn Jesus auch den schlimmsten Sündern verziehen hat, …wie konnte man ihm (dem pädophilen Pfarrer) eine zweite Chance versagen?“

„Im Prozess war klar geworden, dass der 40-jährige Pfarrer massiv gegen Bewährungsauflagen verstoßen hatte, was das Ordinariat billigte. Eine Kriminalpolizistin sagte als Zeugin aus, dass der Priester bereits 2001 die „komplette seelsorgerische Arbeit“ in Riekofen übernommen habe, obwohl er noch nicht wieder mit Kindern und Jugendlichen hätte arbeiten dürfen. Der Angeklagte war bereits im Jahr 2000 wegen sexuellen Missbrauchs zu einer Bewährungsstrafe bis 2003 verurteilt worden. Dennoch war er bereits ab 2000 in der Gemeindearbeit von Riekofen tätig und machte zahlreiche Fahrten mit Messdienern.“ so BR-online vom 14.03.2008.

„Bishops Soulbath“ von Armatus Liandri

Die katholische Kirche steht wegen des Vorwurfs einer Mitschuld an den Kindesmissbräuchen auch generell in der Kritik: Immer wieder kommt es zu sexuellem Missbrauch von Ministranten. Hierbei scheinen die Pfarrer ihre Autoritätsstellung auszunutzen, um dann ihre Perversität an den Kindern auszulassen. Besonders problematisch: Die katholischen Pfarrer müssen im „Zölibat“ leben, das heißt dass sie weder Frau noch Geliebte haben dürfen und auch keine Selbstbefriedigung betreiben dürfen. Letzteres gilt als schwere Sünde, die in die Hölle führt.

Dabei weiß jeder Mensch, dass die widernatürliche sexuelle Enthaltsamkeit dazu geeignet ist, den Sexualtrieb zu steigern. Entlädt sich dieser, fühlt sich der Pfarrer aufgrund seiner „schweren Sünde“ schuldig und sucht nach Buße, wozu er wiederum die Kirche benötigt: So wird die Bindung gestärkt…

Weil aber die  Fälle von Kindesmissbrauch durch homosexuelle pädophiele Priester gehäuft auftreten, steht die Kirche hier in einem moralischen Organisationsverschulden. Im diesem speziellen Fall weist das Bistum jedoch die Angriffe gegen Bischof Müller zurück, er habe von den Details keine Kenntnis gehabt und ein Umgang des Pädophilen mit Kindern sei ohnehin nicht vorgesehen gewesen.

Der Bischof ist hier erreichbar: Telefon: 0941/597-1401;  Fax: 0941/597-1400; sekretariat.bischof@bistum-regensburg.devon

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