Warum Ethik keinen Gott braucht

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Der Humanistische Pressedienst (hpd) gestern (19.02.2010) folgenden Artikel zum Thema „Atheismus als Grundlage des Humanismus

„ Die Anwürfe und Schmähungen von religiösen Funktionären gegen den Atheismus sollen nicht unwidersprochen bleiben. Ein säkularer Humanist und Atheist hat dazu seine Gedanken und Thesen formuliert. Selbstbewusst, freundlich und verständlich.

Thesen von Dirk Winkler

Es gilt, mit einem hartnäckigen Missverständnis aufzuräumen: Der bewussten oder unbewussten unzulässigen Gleichung, dass Religion und Glaube Werte vermitteln und der Atheismus keine Werte bietet. …“

In dem Artikel geht es unter anderem gerade um die ethischen Vorteile des Atheismus in Relation zu strukturellen Defiziten des Atheismus. Über einige Aussagen des Artikels kann man sich sicherlich lange streiten. Nach etwas holprigen Ansätzen gelingen dem jungen Autor zunehmens die Entwicklung interessanter Gedanken und Grundeinsichten.

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Neuer Atheismus

Kissler, von Christa Klarfju

Erneut muss noch einmal eingegangen werden auf die Zuschreibung von Eigenschaften an den neuen Atheismus durch den katholischen Chefpopulisten Kissler.

Laut Kath. Net erklärte dieser am 23.01.2010, dass lt. neoatheistischen Menschenbild alles aus Eigennutz geschehe. Es gibt jedoch keine dementsprechend gearteten Einordnungen, die sich als neoatheistisch einordnen ließen. Selbstredend sind hier auch andere Vorstellungen denkbar.

Der neue Atheismus ist im Grunde eine Bezeichnung für einen auf naturalistischer Grundlage beruhendem Atheismus, der sich vom herkömmlichen Atheismus unterscheidet, weil er offensiver und selbstverständlicher mit der eigenen Weltanschauung umgeht. Dazu gehört neben der Darstellung des eigenen Weltbildes auch, offen auszusprechen, was man etwa von den Ansichten der Religionen hält und wie diese ethisch einzuordnen sind. Das kann auch dazu führen, dass religiöser Propaganda widersprochen wird, was dann von christlicher Seite gelegentlich als Missionierung aufgefasst wird.

Der Vorwurf Kisslers, Glaube werde dann begründungspflichtig, ist allerdings kein Umstand, auf den erst der neue Atheismus aufmerksam machen musste. In einer freien Gesellschaft mit Religions- und Weltanschauungsfreiheit hat ein Verein immer weniger Rückhalt in bloßer Autorität, was sich dann auch in den anhaltenden Kirchenaustrittszahlen seit 1970 manifestiert.

Der Glaube sei denn nur noch „geduldete Narretei“, so Kissler. Wir stimmen insoweit zu, als man im Sinne der Religionsfreiheit schlichtweg alles glauben und zur Religion machen darf, eben auch den allerletzten Blödsinn. Ob dies auf das Christentum zutrifft, überlassen wir der Beurteilung des Lesers.

Die Aussage, der freie Wille sei mit dem Neoatheismus hinfällig, ist allerdings schlicht falsch. Es gibt hierzu durchaus unterschiedliche Ansichten. Richtig ist allerdings, dass sich aus atheistischer Sicht Normen sicherlich nicht durch eine Gottheit begründen lassen. Dies sollte allerdings aus theistischer Sicht nicht anders sein, kann doch eine Aussage nicht bloß deshalb richtig sein, weil eine Gottheit diese von sich gegeben hat. Zudem verfügt eine Gottheit über keinerlei Legitimation oder Vollmacht einem Menschen gegenüber, irgendwelche Normen zu erlassen. Soweit hier an die Drohung mit der Hölle oder die bloß größere Machtbefugnis der Gottheit gedacht wird, so wäre dies selbst bei Existenz der Gottheit nicht geeignet, eine ethische Legitimation zu erzeugen, es würde sich vielmehr um die erpresserische Durchsetzung von Normen handeln.

Auch die Aussage, der Mensch sei nach dem neuen Atheismus für nichts verantwortlich, ist haltlos: Der Mensch ist dem Menschen verantwortlich – und niemandem sonst.