Ex-Heimkinderdemo in Berlin

Fotos: Fiona Lorenz, Carsten Frerk, Quelle: hpd.de

Der HPD berichtet: „BERLIN. (hpd) Vor dem Brandenburger Tor versammelten sich heute Mittag rund 300 ehemalige Heimkinder und deren Verwandte, um ihrer Situation mit einem „Jetzt reden wir!“ vehement Nachdruck zu verleihen. Der Tag war bewusst gewählt, da der „Runde Tisch Heimerziehung“ der Bundesregierung, dem die Veranstalter der Demonstration Verharmlosung vorwerfen, just tagte.“

Ersichtlich war die Demonstration gut besucht, sogar die Tagesschau berichtete gestern.

Photos: Fiona Lorenz, Carsten Frerk, Quelle hpd.de

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Prügel im Namen des Aberglaubens

Die Zeit schreibt am 08.04.2010:

(…) »Gut ist, was ich glaube, was gut ist«, postulierte Pater Max. Wer gegen diese Prämisse verstieß, wurde mit Wutausbrüchen und Schlägen auf den rechten Weg gebracht. Nachdem sich beim Mittagessen ein Schulkamerad zu viel Soße gegönnt hatte, wurde er von Pater Max geohrfeigt. Wenn wir uns seiner Meinung nach zu viel auf den Teller geschöpft hatten, ließ er uns bis spät in die Nacht im Speisesaal sitzen. Eine Maßnahme, die dem Credo des Heimleiters folgte: »Mit Religion erziehen und formen.« Geformt wurde von dem Pater und den Erziehern mit einprägsamen Methoden: Stecknadelpikser in den Hintern, Schläge ins Gesicht, Ziehen an den Ohren oder Kniebeugen. Einer der Pädagogen hatte eine ganz spezielle Methode entwickelt. Die Delinquenten hatten mit dem Rücken zur Wand und den Knien im rechten Winkel so lange auszuharren, bis sie vor Schmerzen zusammenbrachen. (…)

Zustände wie vor  150 Jahren.

Und das alles, um den eigenen Aberglauben zu verbreiten.

Prügelmixer?

Walter Mixa, Urheber: Dr. Christoph Goldt, Quelle Wikipedia, Lizenzen Bildfuß

Die Vorwürfe an Bischof Mixa verwundern. Ehemalige Heimkinder geben an, von ihm geschlagen worden zu sein. Merkwürdig daran ist, dass Mixa damals keine unmittelbar erzieherische Funktion gegenüber den Kindern ausübte, sondern das besagte Heim allenfalls sporadisch besuchte.

Was für ein Mensch müsste jemand sein, hierbei auch noch auf die Kinder loszugehen und diese anzugreifen? Kinder, die keine eigene Interessenvertretung haben.

Mit sexuellem Missbrauch sind die Fälle von Gewalt gegenüber Kindern nicht vergleichbar. Das Verhalten der Kirche ist hier verwunderlich, einerseits eine Hotline einzurichten, die unter der Kritik steht, sofort dem Vatikan Bericht erstatten zu müssen, andererseits aber beim Auflaufen des ersten weiteren Skandals wieder in die alten Verhaltensmuster zurück zu fallen und sofort mit dem juristischen Apparat zu drohen.

Zu berücksichtigen ist allerdings auch, dass nicht jeder Vorwurf auch richtig sein muss. Zunächst einmal steht hier Aussage gegen Aussage. Anlass für Falschbeschuldigungen gäbe es im Fall Mixa genügend, schließlich hat er sich nicht nur Freunde gemacht, zudem kann es auch um Geld gehen. Wenn aber tatsächlich derart viele Kinder von Mixa misshandelt worden sind, werden auch noch weitere Zeugen auftauchen und selbst ein Bischof dürfte hier keine Chance haben, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Die Süddeutsche berichtete zwischenzeitlich am 01.04.2010, eine weitere Person habe sich gemeldet, so dass nun sechs Personen Beschuldigungen erhöben: „Jutta Stadler aus Pfaffenhofen bestätigt die in der Süddeutschen Zeitung vom Mittwoch veröffentlichten Beschuldigungen und schreibt in einer eidesstattlichen Versicherung: „Er hat mir mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen.“ Der SZ liegen damit sechs eidesstattliche Erklärungen vor, in denen berichtet wird, dass Walter Mixa in seiner Zeit als Stadtpfarrer Heimkinder in Schrobenhausen geschlagen habe.“

So geht es allerdings auch nicht: Der Generalsekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, sagte hinsichtlich der Frage in Bezug auf Mixa: „… Ich glaube ihm. …“ (Quelle:  Stern.de, 01.04.2010)

Bildlizenzen: Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Deutschland, Urheber: Dr. Christoph Goldt

Papst-Bruder ein Gewalttäter?

Der Bayrische Rundfunk Online berichtet:

Dem Papstbruder

„… sei bekannt gewesen, dass Internatsdirektor Johann M. sehr heftige Ohrfeigen – oft auch aus nichtigen Anlässen – verteilte, so Ratzinger. …  1992 habe M. dann die Schule verlassen, nachdem die Medien dessen raue pädagogischen Methoden aufgegriffen hatten. …“

Mit anderen Worten: Ihm waren Demütigungen und Straftaten gegenüber Schutzbefohlenen bekannt, er hat jedoch die Augen davor verschlossen, statt sich zum Schutz der Schwächeren gegen das Unrecht einzusetzen.

Weiter räumt er ein, früher selbst gewalttätig gewesen zu sein und zeigt nur mangelndes Unrechtsbewusstsein:

Die Ohrfeige vor allem war damals die nächstgelegene Reaktion auf eine negative Leistung oder ein Versagen“, sagte Ratzinger in der PNP. Ratzinger gab zu, auch selbst zu Anfang wiederholt Ohrfeigen ausgeteilt zu haben. Er habe aber immer ein schlechtes Gewissen dabei gehabt. „Ich war dann froh, als 1980 körperliche Züchtigungen vom Gesetzgeber ganz verboten wurde. Daran habe ich mich striktissime gehalten, und ich war innerlich erleichtert“, sagte Ratzinger, so BR-Online

Das ist natürlich hanebüchener Unsinn. Strafbar ist die Körperverletzung seit eh und je. Zumindest seit Geltung des Grundgesetzes traten die Grundrechte und  Menschenrechte in Kraft, so dass die Körperverletzung zu Erziehungszwecken ausgeschlossen war. Das sich viele Menschen in der gewohnten Rechtsausübung dann kriminell verhielten, ändert daran nichts. Erst Jahre nach Inkrafttreten des Grundgesetzes wurde dann vom Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass etwa in der Schule nicht ohne weiteres durch die Lehrer geprügelt werden konnte. Besonders übel: Auch schlechte Schüler wurden anscheinend geschlagen, wegen „schlechter Leistung“.

Das mangelnde Unrechtsbewusstsein des Papstbruders zeigt sich aber darin, dass selbst dann, wenn Gewalttaten erlaubt gewesen wären, dies noch lange keinen Grund darstellt, diese auch anzuwenden: Sich auf diese Weise rechtfertigen zu wollen zeigt im Grunde nur, dass der Papstbruder bis heute die Menschenrechte nicht wirlich anerkannt hat.

Bei der Körperverletzung durch eine Ohrfeige geht es nicht lediglich um den erlittenen Schmerz, sondern insbesondere um die damit verbundene Demütigung, die mit der Menschenwürde schlechterdings unvereinbar ist.

Es mag sein, dass 1980 die Regelung im BGB verdeutlicht wurde: Die Grundrechte waren allerdings seit Geltung des Grundgesetzes dem BGB von Kaisers Gnaden vorrangig. Dass Gewalttaten gegenüber körperlich Unterlegenen angeblich bis 1980 üblich gewesen sein sollen, zeigt doch lediglich, in welch ethisch-moralisch verdorbenen und abstoßenenden Millieu sich der Papstbruder damals bewegt hat.

Fazit: Von diesen Menschen hätte man gar keine Nächstenliebe verlangen sollen, sondern erst einmal, dass sie sich an Recht und Gesetz halten und dass sie die Menschenrechte nicht verletzen.

Die eigentliche Frage lautet: Wie stand oder steht Papst Ratzinger zur Haltung seines Bruders?