Kein Menschenrecht der Kruzifixfreiheit

„Der Wiedergänger“ von Armatus Liandri

Mit der Rechtsprechung geht es mal hüh und mal hott: Das eine Gericht meint, die Kreuze verstoßen gegen die Verfassung, das andere nicht, die eine Kammer des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte hielt noch im November 2009 das Anbringen von Kreuzen in öffentlichen Schulen für eine Menschenrechtsverletzung, jetzt stellte das selbe Gericht (in anderer Besetzung) fest, dass dies nicht der Fall sei:

Man wisse nicht einmal, ob überhaupt jemand durch so ein Kreuz beeinflusst werde: Naja, irgendwer wird sich schon aufgeregt haben, sonst wäre ja wohl nicht geklagt worden!

Aus dem Gleichheitsgrundsatz in Verbindung mit der Weltanschauungsfreiheit ergibt sich die Verpflichtung des Staates zu weltanschaulicher und religiöser Neutralität: Insbesondere dürfen sich die Atheisten sehr wohl gegen staatliche Zwangsmissionierung wehren.

Mit seiner Entscheidung hat das Gericht aber einen ganz anderen Tenor geschaffen: Ich lese daraus, dass sich die Leute nicht so anstellen sollen, es ist doch nur ein Kreuz! Das Ansehenmüssen einen Kreuzes ist also deshalb keine Menschenrechtsverletzung, weil das Ertragenmüssen im Zweifel eher unerheblich ist. Keine Frage: Manch ein Atheist würde zu Staub zerfallen.

Das ganze lässt sich aber auch schnell umdrehen – im wahrsten Sinne des Wortes; wen wird denn ein auf den Kopf gedrehtes Kruzifixle stören?

Oder wenn Fritzchen Müller dem Gekreuzigten ein Kaugummi auf die Nase klebt? Kommt Leute, um so ein Kreuz schert sich doch eh kein Schwein! Das bloße Anblickenmüssen lustiger Verzierungen wird schon nicht so erheblich sein, dass es die Menschenrechte tangieren würde.

Also: Regt Euch alle ab und habt Spaß! Führt Euch nicht auf wie die Taliban, das Mittelalter ist vorbei!

Diskussion auch auf dem Brightsblog.

Herumgeeiere um den Untoten

„Der Wiedergänger“ von Armatus Liandri

„Kein Kruifix-Verbot in Niedersachsen: Wulff: Ein Missverständnis – Özkan entschuldigt sich April 26, 2010
Nach heftiger Kritik aus Reihen der Union hat die künftige niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan ihre Forderung zurückgenommen, Kruzifixe aus Klassenzimmern zu verbannen. Das „Missverständnis“ sei nun ausgeräumt und Özkan werde eine „grandiose Ministerin“, sagt Regierungschef Wulff.“ berichtet die FAZ.

Das hat sie zurück genommen? Dafür sollte sie sich entschuldigen. Und Wulff gleich mit: Objekte des Aberglaubens haben in staatlichen Einrichtungen nichts verloren und sind in Niedersachsen wohl auch nur in kirchlichen Schulen vorhanden.

In staatlichen Schulen aber tritt der Gleichbehandlungsgrundsatz aller Weltanschauungen zu Tage. Soll ein Kruzifix hängen, sind daher auch alle denkbaren anderen tausenden Weltanschauungs- und Religionssymbole aufzuhängen. Wenn Herrn Wulff insoweit das Verständnis des Gleichheitsgrundsatzes abgeht, sollte er überlegen, seine eigene Partei auf Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz vom Bundesverfassungsgericht überprüfen zu lassen: Der Gleicheitsgrundsatz steht nicht zur demokratischen Disposition.

Der Untote

„Kruzifix“ ist ein lateinisches Fremdwort und bedeutet „am Kreuz befestigt“. Wie aber wäre die korrekte deutsche Bezeichnung?

Hierzu sind wir auf einen interessanten Wikipedia-Artikel gestoßen:

„Der Untote“ von Armatus Liandri

„Als Wiedergänger, auch Widergänger, werden unterschiedliche Gespenstererscheinungen aus verschiedenen Kulturkreisen bezeichnet. Die beiden Schreibweisen sind das Ergebnis einer Gelehrtendifferenzierung im 17. und 18. Jahrhundert. Sie beziehen sich nicht auf unterschiedliche Erscheinungsformen.

Der Kern des Wiedergänger-Mythologems ist die Vorstellung von Verstorbenen, die – oft als körperliche Erscheinung – in die Welt der Lebenden zurückkehren („Untote“). Sie sind den Lebenden meist böse gesinnt und unheimlich. Sei es, weil sie sich für erlittenes Unrecht (z. B. Störung ihrer Totenruhe) rächen wollen; sei es, weil ihre Seele auf Grund ihres Lebenswandels nicht erlöst wurde. …“

Mehr Kreuze

Das Kreuz wirkt. Nicht nur in Form des eisernen Kreuzes oder des Hakenkreuzes, nein, auch als christliches Hochkreuz.

Und zwar wirkt es gegen alle Andersdenkenden, vornehmlich gegen die ins Land einfallenden Islamischen Horden und insbesondere gegen Atheisten: Letzteren gegenüber soll es fast so gut wirken, wie gegen Vampire. Man munkelt gar, das manche Atheisten fürchten, beim Anblick von Kreuzen zu Staub zerfallen zu müssen.

Deshalb: Hängt mehr Kreuze auf!

Veröffentlicht in Kirchenkritik, Religionskritik. Schlagwörter: , . Leave a Comment »

Italien steht zu Menschenrechtsverletzungen

In Italien wurde ein Richter gefeuert, der nicht unter einem Kruzifix verhandeln wollte, berichtet 20 Minuten online.

Cruzifix, lat., „am Kreuz befestigt“

Cruzifix, lat., „am Kreuz befestigt“, Creative Commons 3.0, Urheber: Dierk Andresen Eigenes Foto von The weaver (bei wikipedia)

Für alle Norddeutschen, die davon noch nichts gehört haben: Ein Kruzifix ist eine ans Kreuz genagelte spärlich mit Tuch bekleidete männliche Puppe – meist mit Dornenkrone – die Jesus darstellen soll (den aus der Bibel, nicht einen der Millionen lateinamerikanischen Jesusse). Derartige Puppen an die Wände zu hängen, ist in südlichen Gefilden Deutschlands üblich – teils sogar in Gerichtssäälen und eben auch in Italien.

Hängt der Staat diese Puppen auf,  handelt es sich um eine Menschenrechtsverletzung, weil hierbei die Weltanschauungs- und Religionsfreiheit in Verbindung mit dem Gleichheitsgrundsatz verletzt wird. Der Staat kann entweder kein Symbol aufhängen oder aber alle. Das gilt in besonderem Maße, wenn ein Mensch sich auch noch weigert, unter einem solchen einseitig-religiösen Symbol zu verhandeln. Die Weigerung, unter einem solchen Symbol zu arbeiten, ist daher eine Wahrnehmung der eigenen unveräußerlichen Menschenrechte.

Italien scheint daher zu seinen Menschenrechtsverletzungen zu stehen. Wenn man die Einhaltung der Menschenrechte im Falle der Türkei zur Grundbedingung für Beitrittsüberlegungen macht, sollte man vielleicht Italien aus der EU rausschmeißen: Die Konvergenzkriterien für die Euro-Einführung wird dieses Land ohnehin bestenfalls nach einer kompletten Währungsreform erreichen können…

Protest gegen Menschenrechte

Die ÖVP (Österreichische Volkspartei) sammelt Unterschriften gegen das Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte, mit dem das Abhängen von Leichenpuppen an Kreuzen (sogenannte Kruzifixe) in staatlichen Räumen angeordnet wurde: Die Leiche am Kreuz sei ein religiöses Symbol. Wegen des Gleichheitsgrundesatzes und der Religions- und Weltanschauungsfreiheit habe der Staat sich aber jeder einseitigen religiösen Positionierung zu enthalten.

Abenteuerlich nun, dass ausgerechnet die ÖVP in Osterlitsch sich gegen dieses Urteil wendet: Sie ist dort die Parallele zu CDU und CSU in Deutschland, die beide das C für „christlich“ im Namen tragen. Dies ist in Österreich aus gutem Grunde nicht der Fall:

Symbol der christsozialen Diktatur

Vor dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich bestand dort quasi eine Christlich-konservative Diktatur, sozusagen eine CDU-Diktatur, mit der man in Österreich nicht mehr in Verbindung gebracht werden wollte. Wer weiß, wohin das führen soll, wenn jetzt die ÖVP ausgerechnet Gleichheitsgrundsatz und Weltanschauungsfreiheit angreift. Handelt es sich gar um ein Bestreben, die Kernbereiche der Menschenrechte auszuhebeln? Ist die ÖVP verfassungswidrig?