Ex-Heimkinderdemo in Berlin

Fotos: Fiona Lorenz, Carsten Frerk, Quelle: hpd.de

Der HPD berichtet: „BERLIN. (hpd) Vor dem Brandenburger Tor versammelten sich heute Mittag rund 300 ehemalige Heimkinder und deren Verwandte, um ihrer Situation mit einem „Jetzt reden wir!“ vehement Nachdruck zu verleihen. Der Tag war bewusst gewählt, da der „Runde Tisch Heimerziehung“ der Bundesregierung, dem die Veranstalter der Demonstration Verharmlosung vorwerfen, just tagte.“

Ersichtlich war die Demonstration gut besucht, sogar die Tagesschau berichtete gestern.

Photos: Fiona Lorenz, Carsten Frerk, Quelle hpd.de

-> weiter beim hpd

Prügelmixer?

Walter Mixa, Urheber: Dr. Christoph Goldt, Quelle Wikipedia, Lizenzen Bildfuß

Die Vorwürfe an Bischof Mixa verwundern. Ehemalige Heimkinder geben an, von ihm geschlagen worden zu sein. Merkwürdig daran ist, dass Mixa damals keine unmittelbar erzieherische Funktion gegenüber den Kindern ausübte, sondern das besagte Heim allenfalls sporadisch besuchte.

Was für ein Mensch müsste jemand sein, hierbei auch noch auf die Kinder loszugehen und diese anzugreifen? Kinder, die keine eigene Interessenvertretung haben.

Mit sexuellem Missbrauch sind die Fälle von Gewalt gegenüber Kindern nicht vergleichbar. Das Verhalten der Kirche ist hier verwunderlich, einerseits eine Hotline einzurichten, die unter der Kritik steht, sofort dem Vatikan Bericht erstatten zu müssen, andererseits aber beim Auflaufen des ersten weiteren Skandals wieder in die alten Verhaltensmuster zurück zu fallen und sofort mit dem juristischen Apparat zu drohen.

Zu berücksichtigen ist allerdings auch, dass nicht jeder Vorwurf auch richtig sein muss. Zunächst einmal steht hier Aussage gegen Aussage. Anlass für Falschbeschuldigungen gäbe es im Fall Mixa genügend, schließlich hat er sich nicht nur Freunde gemacht, zudem kann es auch um Geld gehen. Wenn aber tatsächlich derart viele Kinder von Mixa misshandelt worden sind, werden auch noch weitere Zeugen auftauchen und selbst ein Bischof dürfte hier keine Chance haben, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Die Süddeutsche berichtete zwischenzeitlich am 01.04.2010, eine weitere Person habe sich gemeldet, so dass nun sechs Personen Beschuldigungen erhöben: „Jutta Stadler aus Pfaffenhofen bestätigt die in der Süddeutschen Zeitung vom Mittwoch veröffentlichten Beschuldigungen und schreibt in einer eidesstattlichen Versicherung: „Er hat mir mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen.“ Der SZ liegen damit sechs eidesstattliche Erklärungen vor, in denen berichtet wird, dass Walter Mixa in seiner Zeit als Stadtpfarrer Heimkinder in Schrobenhausen geschlagen habe.“

So geht es allerdings auch nicht: Der Generalsekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, sagte hinsichtlich der Frage in Bezug auf Mixa: „… Ich glaube ihm. …“ (Quelle:  Stern.de, 01.04.2010)

Bildlizenzen: Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Deutschland, Urheber: Dr. Christoph Goldt

Mixa soll Kinder geschlagen haben

„Das Grauen“ von Armatus Liandri

Die Welt schreibt heute: „Der Augsburger Bischof Walter Mixa soll in den 70er- und 80er-Jahren Heimkinder misshandelt haben. Fünf Frauen und Männer behaupten in eidesstattlichen Erklärungen, von Mixa geschlagen worden zu sein. Das Augsburger Bistum spricht von absurden Vorwürfen – offensichtlich solle Mixa diffamiert werden.“

Natürlich, alle eidesstattlichen Versicherungen können ja nur falsch sein, wo Mixa doch per Definition niemals ein Unrecht tun kann. Immerhin ist er doch Bischof, in der heiligen Kirche. Also mich wundert da gar nichts mehr.

Es berichteten „… die ehemaligen Heimkinder von Ohrfeigen, Fausthieben gegen den Oberarm sowie Schlägen auf das Gesäß mit Teppichklopfer und Stock. …“

Ergänzung: Auch das Staatsfernsehen berichtete (heute), allerdings waren dort mangels ausreichender Kapazität kein Abruf möglich.

„Prügel-Nonne“ fordert Kirchen heraus

Quelle: Humanistischer Pressedienst (hpd.de), Nr. 9167

BERLIN/DÜSSELDORF. (hpd) Deutschlands bekanntester Karnevalswagenbauer, Jacques Tilly, steuert zur Demo der ehemaligen Heimkinder am 15. April in Berlin eine mobile Skulptur bei, die für Gesprächsstoff sorgen dürfte: eine drei Meter hohe „Prügel-Nonne“, die in einer Hand ein Kruzifix, in der anderen einen Rohrstock schwingt.

„Prügel-Nonne“ Foto: Doris George, Quelle: hpd.de

„Das ergibt bestimmt ein großartiges Bild vor dem Brandenburger Tor!“, meint Tilly, der den Heimkinder-Protest gegen sexuellen Missbrauch und schwarze Pädagogik aktiv unterstützt.

„Die Grundidee für die Figur stammt von den Heimkindern selbst“, berichtet Tilly. „Offensichtlich haben die Nonnen in den Heimen nicht weniger schlimm gewütet als die Priester und Patres, auch wenn dies bislang in den Medien kaum thematisiert wurde.“ Daher stieß Tillys Entwurf der „Prügel-Nonne“ bei den ehemaligen Heimkindern auf begeisterte Zustimmung. Gemeinsam mit seiner Kreativpartnerin, der Düsseldorfer Bildhauerin Doris George, baute er die Skulptur in „liebevoller Handarbeit“.

Für Tilly und George ist die Arbeit an der „Prügel-Nonne“ Ehrensache. Sie stellen den Heimkindern für die Arbeit an der Skulptur keinen Cent in Rechnung, die Materialkosten übernimmt die Giordano Bruno Stiftung, die auch die Verbindung zwischen den Heimerziehungsopfern und den Düsseldorfer Pappmaschee-Künstlern hergestellt hatte. „Für uns ist es selbstverständlich, dass wir den Protest der ehemaligen Heimkinder unterstützen!“, sagt Tilly. „Es ist einfach unerträglich, was man ihnen über so viele Jahre hinweg angetan hat! Wir hoffen, dass unsere Prügel-Nonne dazu beitragen kann, noch größere Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken. Denn nur unter starkem öffentlichen Druck werden sich die Vertreter von Staat und Kirchen den berechtigten Forderungen der ehemaligen Heimkinder stellen.“

Wie der Vorstandssprecher der Giordano Bruno Stiftung, Michael Schmidt-Salomon, erklärte, wird Tillys „Prügel-Nonne“ wahrscheinlich nicht nur bei der Berliner Demo zum Einsatz kommen. Schmidt-Salomon schlug vor, die Figur regelmäßig am Rande kirchlicher Großereignisse einzusetzen, etwa beim Ökumenischen Kirchentag in München: „Die Nonne sollte die Kirchen liebevoll daran erinnern, endlich ihren Verpflichtungen gegenüber den missbrauchten und misshandelten Heimkindern und Internatszöglingen nachzukommen! Denn nicht nur der Staat, der seine Aufsichtspflichten verletzte, sondern auch die Kirchen, in deren Hand die Heimerziehung mehrheitlich lag, sind gefordert, angemessene Entschädigungszahlungen zu leisten! So lange dies nicht geschehen ist, sollte die Prügel-Nonne immer wieder in Erscheinung treten, um zu verhindern, dass der mühsam aufgedeckte Skandal der christlichen Heimerziehung wieder in Vergessenheit gerät…“

FL

Links

Video von Ricarda Hinz (Videoteuse)

Demo-Trailer (Schnitt und Ton: Peter Henselder)

Druckfähiges Bild der Demo-Nonne (lizenzfrei, Foto: Doris George

Website zur Demo (jetzt-reden-wir.org)

Artikel- und Bildlizenz: hpd