Herumgeeiere um den Untoten

„Der Wiedergänger“ von Armatus Liandri

„Kein Kruifix-Verbot in Niedersachsen: Wulff: Ein Missverständnis – Özkan entschuldigt sich April 26, 2010
Nach heftiger Kritik aus Reihen der Union hat die künftige niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan ihre Forderung zurückgenommen, Kruzifixe aus Klassenzimmern zu verbannen. Das „Missverständnis“ sei nun ausgeräumt und Özkan werde eine „grandiose Ministerin“, sagt Regierungschef Wulff.“ berichtet die FAZ.

Das hat sie zurück genommen? Dafür sollte sie sich entschuldigen. Und Wulff gleich mit: Objekte des Aberglaubens haben in staatlichen Einrichtungen nichts verloren und sind in Niedersachsen wohl auch nur in kirchlichen Schulen vorhanden.

In staatlichen Schulen aber tritt der Gleichbehandlungsgrundsatz aller Weltanschauungen zu Tage. Soll ein Kruzifix hängen, sind daher auch alle denkbaren anderen tausenden Weltanschauungs- und Religionssymbole aufzuhängen. Wenn Herrn Wulff insoweit das Verständnis des Gleichheitsgrundsatzes abgeht, sollte er überlegen, seine eigene Partei auf Vereinbarkeit mit dem Grundgesetz vom Bundesverfassungsgericht überprüfen zu lassen: Der Gleicheitsgrundsatz steht nicht zur demokratischen Disposition.

HVD nur fast ganz links?

Bearbeitung des HVD-Logos von Christa Klarfju

Der VorsitzendeIn des humanistischen Verbandes Deutschland (HVD) Frieder Otto WolfIn hat nun eine Debatte losgetreten, ob denn eine HumanistIn auch CDU wählen dürfe.

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Gnädigerweise bejaen seine Heiligikeit WolfIn dies, jedoch nur gerade so. Er kommt sogar zu dem Ergebnis, dass Humanisten sogar CDU wählen dürfen:

„… Das dürfen die …“

– aber bitte vorher um Erlaubnis fragen, denn der dumme Durchschnittshumanist ist des Denkens ja wohl kaum fähig.

Meine Großmutter pflegte zu sagen: „Die steht im Stall und macht muh…“, weil durch dieses „die“ eine besondere Verachtung zum Ausdruck gebracht wird.

Ja, wer hätte das Gedacht, in einer Demokratie dürfen die CDU wählen. Der Mob. Der gemeine Fußvolkhumanist. Verwunderlich zwar, niemand kann das verstehen, wie einer CDU wählen kann und warum die SPD abkackt.

Allerdings spart der HVD auch nicht an Stimmungsmache: „Allerdings ist das auch keineswegs der Haupttrend. Die meisten Humanistinnen und Humanisten sehen daher in eher linken Parteien die legitimeren Nachfolger und Erben der alten „Partei der Freiheit““

Soll heißen: Eigentlich sind die ziemlich einzig unter den Humanisten, eigentlich ist die CDU ja doch eher inhuman. Wen er mit der alten Partei der Freiheit meint, lässt er dann offen. Gut, dass er nicht „Partei der sozialistischen Einheit“ geschrieben hat.

Irgendwie geht WolfIn doch jedes innere Verständnis ab, wie jemand als Humanist denn CDU wählen könne. Es bleibt aus seiner Sicht ein doch so extremer Sonderfall, dass der diese Ungewöhnlichkeit für erörterungsbedürftig hält.

Zum Liberalismus hat sich Wolf bereits im Mai 2009 geäußert: Der „neoliberal entfesselte Kapitalismus“ a la Thatcher habe sich aufgrund der Krise ohnehin erledigt, er habe „keine Überzeugungskraft“ mehr. Auf derart plumpe linke Kampfpropaganda verzichtet Wolf jetzt und stellt seine Propaganda etwas diffiziler an.

Während ein CDU-wählende/r HumanistIn für Wolf anscheinend ein erörterungswürdiges Problem und eine sonderbare Spezies darstellt, sind es die Scharen der Alt-KommunistenInnen (jetzt „nur“ noch Sozialisten) in Ost-Berlin anscheinend kein Thema – wo doch der HVD seine HauptmitgliederzahlenInnen in Berlin zu verzeichnen hat. Man will ja nicht die eigene Anhängerschaft verärgern.

CDU – Partei des Aberglaubens?

In der jungsten Klausurtagung beschlossenen „Berliner Erklärung“ beruft sich die CDU auf die „christlich-jüdischen“ Grundwerte. Fraglich ist, was damit gemeint sein kann – die 10 Gebote, mit denen etwa die Weltanschauungsfreiheit unvereinbar ist (kein Gott neben dem christlichen erlaubt) oder die Billigung der Sklaverei? Die CDU wird hier selbst nicht so genau wissen, was sie eigentlich sagt oder sagen will. Vor allem: Was hat Deutschland mit der jüdischen Tradition zu schaffen?

CDU: Schiff mit fragwürdigem Kurs

Der Knaller kommt aber wie üblich in der Umweltpolitik: Die „Schöpfung“ sei zu erhalten. Das lässt sich beim besten Willen nicht mit einem tradierten Sprachgebrauch rechtfertigen – den es so nicht gibt – sondern kann nur so verstanden werden, dass die CDU als offizielle Parteilinie den Creationismus respektive „Intelligent“ Design vertritt:

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Wenn die Welt „geschöpft“ wurde, muss es einen Schöpfer geben. Die CDU will uns also allen ernstes weis machen, dass die Erde und die Lebewesen in Gottes Sandkiste gebastelt wurden. Dass die CDU sich hier neben ihrer Parteipolitik auch als Religionsgemeinschaft profiliert, mag abschrecken, aber nicht unbedingt hinderlich sein.

Problematischer aber ist, dass mit dem Schöpfungsglauben der CDU eine Orientierung an dem „christlichen“ Schöpfungsglauben stattfindet, so dass parteiprogrammatisch an die Bibelgottheit zu glauben ist. Demnach darf man hinsichtlich des Umweltschutzes wohl annehmen, dass die Bibelgottheit alles zum Guten wenden wird, wenn die CDU den Karren vor die Wand fährt – vorausgesetzt, es wird genug gebetet? Oder will Merkel uns vorgaukeln, dass sie aus lauter Furcht vor der Höllendrohung alles daran setzt, am Umweltschutz zu arbeiten… ?

Die CDU beruft sich darauf, dass die Partei auch für Wähler anderer Weltbilder wählbar sei. Genau das ist allerdings fraglich, soweit auch nur eine Partei zur Verfügung steht, die mit inhaltlich ähnlichem Grundkonzept eine nicht-religiöse Politik vertritt. Wie die Positionierung der CDU als christlich-jüdisch religiös aber in der Politik ihren Niederschlag finden soll, ohne dass der Gleichheitsgrundsatz und die Weltanschauungsfreiheit sowie die sich daraus ergebende staatliche Neutralitätspflicht verletzt werden, bleibt ein Geheimnis der CDU.

Die CDU hatte sogar Anhänger des Aberglaubens direkt eingeladen und ihnen bei der parteiinternen Willensbildung ein Privileg eingeräumt – weltanschaulich aufgeklärte Gruppierungen wurden anscheinend nicht gehört – die haben eben kein verbindendes „C“ …