Mixa hat sich entschuldigt

Wilhelm Busch, Züchtigung im 19. Jahrhundert, Nachkolorierung Blog, Urheberrechtsfrei

Mixa hat seine Reue mitteilen lassen, dass er anderen Menschen Leid zugefügt habe. Welches Leid meint er denn eigentlich? Das von damals oder das jetzige? Hat er noch mehr Dreck am stecken, als bislang öffentlich ist?

Immerhin hat er auf die Vorwürfe der von ihm Geschlagenen (mittlerweile liegen acht eidesstattliche Versicherungen vor) zunächst mitgeteilt, er sei reinen Herzens und könne sich nicht erinnern. Gleichzeitig hatten seine Sprecher aber mitgeteilt, man werde mit zivil- und strafrechtlichen Maßnahmen gegen die Aussagenden vorgehen – soweit wir uns hier richtig erinnern. Wofür entschuldigt sich der Ex-Gewalttäter nun, für die Gewalttaten damals, oder für den Umstand, dass er die Opfer jetzt zunächst als Verleumder hat dastehen lassen? Das kann auch den Straftatbestand der Beleidigung erfüllen.

Mixa ist unentbehrlich!

Aus dem Umstand, dass Bischof Walter Mixa immer noch nicht zurück getreten ist und auch noch nicht gefeuert wurde, schließen wir, dass er für die katholische Kirche unentbehrlich ist. Ausgerechnet im Mixa-Kontext sollen die Kirchenaustrittszahlen massiv angestiegen sein…

Wie wird jemand unentbehrlich? Nun, da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Einerseits kann jemand besonders nützlich sein für die Organisation. Das könnte Ratzinger natürlich so sehen, weil Mixa einer der drei „Ms“ ist, die als konservative Hardliner auftreten und in dieser Richtung vom Vatikan politisch gewünscht sind.

Andererseits kann jemand aber auch unentbehrlich werden, wenn er Dinge weiß, von denen niemand etwas erfahren darf, weil sie einen Skandal auslösen würden. In Betracht kommt vieles, vom Kindesmissbrauch über Gewalttaten oder auch gewisse Geldtransfers. Ob das bei Walter Mixa zutrifft, kann man aus der gegenwärtigen Perspektive allerdings nicht sagen.

Einen weiteren Mixa-Artikel gibt es heute in der Welt.

Gedächtnisschwund heilbar? Mixas Erinnerungsvermögen kommt zurück

Die Süddeutsche berichtet:

„Das Grauen“ von Armatus Liandri

„Der Augsburger Bischof Walter Mixa schließt nicht länger aus, dass er in seiner Zeit als Schrobenhausener Stadtpfarrer Kinder geschlagen hat. „Wenn jetzt das Thema auf die Frage nach Ohrfeigen zugespitzt wird, will ich ganz ehrlich sagen, dass ich als langjähriger Lehrer und Stadtpfarrer im Umgang mit sehr vielen Jugendlichen die eine oder andere Watschn von vor 20 oder 30 Jahren natürlich nicht ausschließen kann“, sagte Mixa am Freitag der Bild am Sonntag.“

Vielleicht tut er ja jetzt nur so und in Wirklichkeit kann er sich doch gar nicht mehr erinnern. An diese vielen Kinder. Wo es doch so lange her ist. Fakt ist, dass hier zunächst einmal die Opfer quasi als Lügner und Verleumder hingestellt wurden. Der Umgang des Bischofs mit seinen Mitmenschen ist in diesem Kontext unter aller Sau, jeder Rest an Glaubwürdigkeit dahin, die Kirche als Instanz der Unmoral, die sich selbst über das letzte Minimum an Anstand noch hinweg setzt.

Es scheint so, als konnte man als Pfarrer in Bayern damals schalten und walten wie man will, andere wehrlose Menschen angreifen, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden, weil den Opfern ohnehin keiner geglaubt hätte. Und überhaupt: Wer glaubt schon einem Heimkind, das einen Pfarrer beschuldigt. Wo kämen wir da hin.

Ergänzung:

Der Blog „Buchstaeblich seltsam“ zitiert Mixas Aussage vom 04.04.2010:

„Ein Priester muss gewaltlos sein“, sagte er. „Daran habe ich mich immer gehalten.“ Auf die Frage, ob körperliche Gewalt ein Erziehungsmittel sei, antwortete Mixa. „Ein klares Nein“.

Mixa hat nach eigenem Bekunden keinerlei Verständnis dafür, wenn einem Erzieher mal die Hand ausrutscht: „Dann hat er nach heutiger Erkenntnis einen erzieherischen Fehler begangen. Uns werden junge Menschen anvertraut. Wir müssen ethische Werte mit Behutsamkeit vermitteln, nicht mit Angst.“ (ursprüngliche Quelle wohl Spiegel Panorama).

Da kommt einem doch die Galle hoch! Tut noch selbst wie das Unschuldslamm…

-> ein weiteres Blog berichtet: Roman Möller Online Blog

Neues vom Mixa

Es wird immer abenteuerlicher:

„Ornat“ von Armatus Liandri

„Wäre Bischof Mixa ein Politiker, hätte er wohl schon Ende 2001 zurücktreten müssen, als der mazedonische Zoll im Handgepäck Mixas fast 400.000 Mark entdeckte, die der Militärbischof – auch das ist der Augsburger Hirte – angeblich im Auftrag des Bischofs von Skopje undeklariert nach Deutschland bringen wollte.“ berichtet die Süddeutsche am 15.04.2010.

Im Namen des „Herrn“ ist eben einiges erlaubt!?

Rohrstockzüchtigung durch Mixa?

Wilhelm Busch, Züchtigung im 19. Jahrhundert, Nachkolorierung Blog, Urheberrechtsfrei

Die Süddeutsche berichtet heute, ein weiteres Heimkind habe sich gemeldet, dass von Mixa verprügelt worden sein soll, allerdings soll es sich in diesem Fall um eine Rohrstockzüchtigung gehandelt haben. Anscheinend konnten Heimkinder nach Belieben gefoltert werden, weil niemand hingesehen hat und ihnen niemand glaubte.

Die Süddeutsche zitiert die 7. Zeugin, die auch unter Eid aussagen würde weiter: „Ich musste die Hose runter ziehen, mich über die Badewanne beugen und bekam dann fünf bis sieben Schläge auf das Gesäß“, … „Die ersten zwei Tage danach war es unmöglich, vernünftig zu sitzen vor Schmerzen.“

Ein Maß, dass man durchaus als sadistische Perversität bezeichnen kann.

Züchtigungen mit dem Rohrstock waren auch damals beim besten Willen nicht mit irgendeinem Erziehungsgedanken zu rechtfertigen. Abgesehen davon soll Mixa gar keine Erziehungsfunktionen in dem Heim wahrgenommen haben. Das Prügeln mit einem Stock ist heute mit Freiheitsstrafe von mindestens 6 Monaten Gefängnis bedroht. Mixas Taten dürften allerdings lange verjährt sein. Es geht allenfalls um die Klärung der moralischen Abgründe. Bisher bestreitet Mixa, überhaupt jemals Kinder geschlagen zu haben.

Die Kirche suspendiert nicht ihn nicht einmal. Welch Hohn für die Opfer. Welche Verantwortung im nachträglichen Umgang trägt der Durchschnittskatholik für seinen Verein?

Prügelmixer?

Walter Mixa, Urheber: Dr. Christoph Goldt, Quelle Wikipedia, Lizenzen Bildfuß

Die Vorwürfe an Bischof Mixa verwundern. Ehemalige Heimkinder geben an, von ihm geschlagen worden zu sein. Merkwürdig daran ist, dass Mixa damals keine unmittelbar erzieherische Funktion gegenüber den Kindern ausübte, sondern das besagte Heim allenfalls sporadisch besuchte.

Was für ein Mensch müsste jemand sein, hierbei auch noch auf die Kinder loszugehen und diese anzugreifen? Kinder, die keine eigene Interessenvertretung haben.

Mit sexuellem Missbrauch sind die Fälle von Gewalt gegenüber Kindern nicht vergleichbar. Das Verhalten der Kirche ist hier verwunderlich, einerseits eine Hotline einzurichten, die unter der Kritik steht, sofort dem Vatikan Bericht erstatten zu müssen, andererseits aber beim Auflaufen des ersten weiteren Skandals wieder in die alten Verhaltensmuster zurück zu fallen und sofort mit dem juristischen Apparat zu drohen.

Zu berücksichtigen ist allerdings auch, dass nicht jeder Vorwurf auch richtig sein muss. Zunächst einmal steht hier Aussage gegen Aussage. Anlass für Falschbeschuldigungen gäbe es im Fall Mixa genügend, schließlich hat er sich nicht nur Freunde gemacht, zudem kann es auch um Geld gehen. Wenn aber tatsächlich derart viele Kinder von Mixa misshandelt worden sind, werden auch noch weitere Zeugen auftauchen und selbst ein Bischof dürfte hier keine Chance haben, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen.

Die Süddeutsche berichtete zwischenzeitlich am 01.04.2010, eine weitere Person habe sich gemeldet, so dass nun sechs Personen Beschuldigungen erhöben: „Jutta Stadler aus Pfaffenhofen bestätigt die in der Süddeutschen Zeitung vom Mittwoch veröffentlichten Beschuldigungen und schreibt in einer eidesstattlichen Versicherung: „Er hat mir mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen.“ Der SZ liegen damit sechs eidesstattliche Erklärungen vor, in denen berichtet wird, dass Walter Mixa in seiner Zeit als Stadtpfarrer Heimkinder in Schrobenhausen geschlagen habe.“

So geht es allerdings auch nicht: Der Generalsekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Pater Hans Langendörfer, sagte hinsichtlich der Frage in Bezug auf Mixa: „… Ich glaube ihm. …“ (Quelle:  Stern.de, 01.04.2010)

Bildlizenzen: Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.0 Deutschland, Urheber: Dr. Christoph Goldt

Damals Nazis, heute Medien

„Damals Nazis, heute Medien“, ein Artikel der Süddeutschen, den man gelesen haben sollte.

„Bishops Soulbath“ von Armatus Liandri

Wie Bischof Gerhard Ludwig Müller von Regensburg versucht, die Berichterstattung über den Kindesmissbrauch in die Nazi-Ecke zu stellen. Das mangelnde moralische Unrechtsbewusstsein des Bischofs hinsichtlich seiner völlig inadäquaten Wortwahl zeigt einmal mehr, wie man es in Regensburg gewohnt ist, mit Kirchenkritikern umzugehen – insbesondere, wenn es um Kindesmissbrauch geht.

Vielleicht hat der Mann aber auch als Kind einfach nur zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, dass er sich jetzt wichtig macht.