Doppelmord mit Vergebung

Vergebung für alles. Vergebung in 5 Minuten. Vergebung einer Schuld, die man nicht vergeben kann, sondern die nur das Opfer vergeben könnte.

Bildbearbeitung: Armatus Liandri, „Vergebung“, Original von Albrecht Dürer

Der Doppelmörder Jan O., der kürzlich in Bodenfelde ohne Sinn und Verstand und aus heiterem Himmel zwei Kinder umbrachte, soll nach der Tat einen Gottesdienst besucht und gebetet haben: Vergebung für sich wird er dort erbeten haben – denn für die toten Kinder zu beten, dafür wäre es ja nun zu spät gewesen.

Auch die Mutter des Mörders wird ihm bereits vergeben haben: „Ich will seine Taten nicht entschuldigen, aber mein Sohn ist auch ein Opfer“ (Bild.de). Was für ein grandioser Blödsinn! Selbst wenn der Mann eine schlechte Kindheit gehabt haben sollte, so steht dies in keinerlei kausalem Zusammenhang zu seinen Morden.

Welch eine Dreistigkeit, hier eine Relation zwischen Mord und schlechter Kindheit herstellen zu wollen: Was hier ins Auge sticht ist der Umstand, dass es die Mutter möglicherweise an ethischer Orientierung hat fehlen lassen, dass dem Mörder nämlich alles und jedes vergeben wurde: „Ich hasse ihn nicht, ich stehe zu ihm – egal, was er getan hat.“ sagt die Mutter in einem Interview der „Allgemeinen Zeitung“ aus Uelzen (Quelle: Die Welt). Wenn die Mutter schon bei der schlimmsten anzunehmenden Verfehlung, einem Doppelmord an zwei Kindern, sofort ohne wenn und aber mit einer Vergebung zur Hand ist, so lässt sich vermuten, dass auch andere Verfehlungen dem Mann in seiner Jugend stets vergeben wurden: Bedingungslos und sogleich. Jeder anständige Mensch hätte der Presse erst einmal mitgeteilt, dass man so eine Tat von dem eigenen Kind nicht erwartet hätte und dass der Mörder erst mal da bleiben soll, wo der Pfeffer wächst! Durch die Worte scheint eine ethische und emotionale Gleichgültigkeit hindurch; das Verhalten der Mutter lässt vermuten, dass dem Mann jede ethische Orientierung zwischen Gut und Böse bereits auf der grundlegendsten emotionalen Ebene in der Erziehung gefehlt hat.

Letztendlich handelt es sich hierbei um blinde Spekulationen und es ist denkbar, dass hier der Mutter Unrecht getan wird, auch durch verkürzte Darstellung ihrer Aussagen in der Presse. Möglicherweise aber hat der Mann deshalb eine schlechte Erziehung genossen und damit eine schlechte Kindheit gehabt, weil es die Mutter an der nötigen ethischen Bewertung seiner Verfehlungen hat missen lassen. Das Verhalten der Mutter des Mörders ist jedenfalls nicht das, was man von einem durchschnittlichen Menschen erwartet hätte.

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Zur neuen Kondomdoktrin des Papstes

Wappen Papst Ratzingers CXVI.

An dem Grundsatz, dass Sex verteufelt wird, der nicht der Kindeszeugung dient, hat sich durch die neuen Aussagen des Papstes nichts geändert. Sexueller Hedonismus ist per se böse und führt nach katholischem Aberglauben in die Hölle.

Allerdings sind die jetzigen Aussagen doch positiver zu werten, als zunächst angenommen: Die Aussagen stellen im Rahmen des beengten Blickfeldes der kath. Kirche eine Entzerrung der vormals deutlich radikaleren Aussagen dar: Der Papst erkennt erstmals an, dass es besser ist, Sex mit Kondom zu haben, als alles um sich herum wild mit Aids anzustecken. Diese starke Richtungsänderung ist beachtlich.

Der Vorwurf, der Papst sei persönlich mitverantwortlich für die Ausbreitung von Aids und sei bereits deshalb „böse“, wird sich in diesem Kontext für sein Verhalten in der Zukunft nicht aufrecht erhalten lassen, auch wenn er einiges wieder gut zu machen hat.

Indes kommt dieser Richtungswechsel viel zu spät: Geschuldet ist diese Verspätung einer autoritären Organisationsform der Kirche, in der keinerlei demokratische Einflussnahme auf die höchsten Entscheidungen dieser Firma vorgesehen ist. In dem Kontext bleibt die Mitschuld jedes Katholiken, die durch die Unterstützung dieser Organisation entstanden ist.

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Weil sie böse sind ..

Weil sie böse sind, ist der Feuerbringer gegen Diktatoren.

Weil sie böse sind, wollen sie nichts einsehen.

Weil sie böse sind, dürfen wir sie töten.

Weil sie böse sind, müssen wir sie töten, um gut zu sein.

Weil sie böse sind, müssen wir Krieg gegen sie führen.

Der Feuerbringer ist Humanist, weil er gut ist.

Andere Humanisten meinen, dass Krieg böse ist.

Um Krieg zu verhindern, müsse man nur die töten, die Krieg fordern,

weil sie böse sind.

So einfach kann Humanismus sein.

Bild „Weil sie böse sind ..“ von Armatus Liandri, Vorlage.

Soldatenblut ist eigenes Blut!

Die Auffassung, dass jemand keinen Krieg fordern kann, der sich nicht daran beteiligen will, scheint erstaunlicherweise erörterungsbedürftig zu sein.

Eines vorweg: Ein Wehrdienstverweigerer, der gleichzeitig einen Krieg fordert, führt damit seine eigene Wehrdienstverweigerung ad absurdum und demonstriert, dass diese lediglich auf einem Betrug beruht hat, um sich selbst der Verpflichtung zu entziehen, notfalls auch mit Waffengewalt die Freiheit der Mitbürger zu verteidigen. Wer ehrlich ist und soetwas bei seiner Wehrdienstverweigerung anführt, kann den Wehrdienst nicht verweigern – d. h. die Verweigerung geht nicht durch.

Verwundetenbergung im zweiten Weltkrieg, Lizenz siehe Fuß

Die mangelnde Bereitschaft, sich an einem Krieg persönlich zu beteiligen – sich vielleicht sogar grundsätzlich an Kriegen nicht zu beteiligen – andererseits aber Krieg zu fordern, demonstriert die Verlogenheit der eigenen Ethik: Natürlich kann ich eine tolle Ethik vertreten und sagen, dass man mindestens 50% seines Gehalts an Hilfen für die Dritte Welt spenden sollte, um Hunger- und Krankheitstote zu vermeiden und somit Menschenleben zu retten. Wenn ich aber selbst keinen Cent spende, dann zeigt das nur, dass man diese Ethik zwar predigt, diese aber gar nicht selbst vertritt. Wer in Wahrheit gar nicht bereit ist, die Konsequenzen der eigenen Ethik zu tragen, ist ein Heuchler. Bei Kriegsforderungen ist das nicht anders.

Umgekehrt ist das nicht der Fall: Natürlich kann ein Soldat für Frieden sein, weil damit grundsätzlich niemandem ein Unrecht geschieht. Nun würde der Feuerbringer einwenden, dass der Soldat in dem Fall auch bereit sein sollte, Folter und Mord als Opfer der jeweiligen Diktatur zu ertragen – gegen die man vorgehen müsste – wenn er es damit ehrlich meint. So herum kann man den Fall allerdings nicht drehen, denn in den westlichen Demokratien ist man davon nicht betroffen. Die Logik des Feuerbringers setzt dabei auf humanistischer Grundlage alle Menschen gleich und unterscheidet dabei anscheinend nicht zwischen sich selbst und anderen Menschen in Timbuktu. Genau hier setzt das Argument an: In Wirklichkeit würde er sehr wohl unterscheiden, wenn er selbst sein Leben aufs Spiel setzen müsste für irgendwelche Menschen, die tatsächlich in der Mehrheit weder seine Werte teilen, noch die Plutokratie US-amerikanischer Prägung herbeisehnen, noch sonst in einem kulturellen oder persönlichen Verhältnis zu ihm stehen. In dem Fall würde man sagen, dass einem das eigene Hemd näher ist.

Und genau so wie sich eine verantwortungsvolle Regierung gegenüber ihren Soldaten verhalten sollte, sollten wir uns auch in der Argumentation verhalten: Eine solche Betrachtung kann nur zu einem zielgerichteten Ergebnis führen, wenn wir dabei argumentieren, als würden wir unser eigenes Blut vergießen, unsern eigenen Gebeine opfern. Und tatsächlich müssen wir dabei noch weiter gehen, denn ein humanistischer Idealist, der vielleicht aus persönlicher Überzeugung an einem solchen Krieg teilnehmen wird, müsste anderen Mitbürgern durchaus eingestehen, nicht an einem solchen Krieg beteiligt werden zu wollen, weil ein solcher Krieg nicht die eigenen persönlichen Interessen betrifft.

Wenn wir also eine solche Diktatur wie etwa Libyen angreifen, besiegen und beenden könnten, so besteht für uns Menschen in der westlichen Welt kein gesteigertes persönliches Interesse, diese Diktatur zu beenden, so lange sie keine Lockerby-Attentäter schickt. Der persönliche Idealismus einzelner Humanisten aber, dass eine Diktatur nun mal so nicht gehört, darf nicht dazu führen, dass diese „Humanisten“ mir nichts Dir nichts das Leben ihrer Mitmenschen aufs Spiel setzten.

Bildlizenz: Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Kurztitel: Russland, Bergung eines Verwundeten Archivischer Titel: Sowjetunion, vor Moskau, Bergung eines Verwundeten, im Hintergrund brennende Häuser in einer Ortschaft, PK 612, Film 2783, November 1941, Quelle: Wikipedia, Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive), Bild 146-2008-0317

Humanistischer Krieg?

Der Blog des Feuerbringers schreibt am 15.11.2010 zum Thema Humanismus:
Gewisse Kulturrelativisten, die sich selber als repräsentative Stellvertreter des „Humanismus“ ansehen, sind da anderer Meinung und finden, dass es „uns nichts angeht“, wenn anderswo Menschen willkürlich gefoltert und ermordet werden, weil die eben anders sind als wir.

Welcher Blitz hat die Lichtgestalt getroffen? Welches Feuer will sie bringen, wenn er von einer „humanitäre Interventionen“ gegenüber Diktaturen spricht, deren „Zerstörung“ fordert und gleichzeitig das „Appeasment“ gegenüber Hitler verurteilt, also die Haltung des Westens, die zunächst auf Kompromiss und Frieden angelegt war.

Die Einmischung in die Innenpolitik anderer Länder hat stets auch eine gewisse Nebenwirkung, insbesondere wenn es sich um Diktaturen handelt: Die Gefahr des Krieges. Beim Feuerbringer klingt es so, als würde er Krieg im Namen des Humanismus geradezu einfordern!

In der Historie waren es in aller Regel Menschen wie der Betreibers des Blogs „Feuerbringer“, die Kriege vom Zaun gebrochen haben: Und damit meine ich nicht die Humanisten, sondern diejenigen, die vom Wohnzimmer aus bzw. vom Kartentisch aus einen Krieg führen. Georg Christoph Lichtenberg meinte einmal, dass schon viel gewonnen wäre, wenn jedem Kriegsherrn ein Pulverfass unter das Kopfkissen gelegt werden würde – so in etwa.

Es ist eben etwas anderes, ob einem das Gedärm weggeschossen wird. Der Feuerbringer etwa ist nicht einmal jemand, der überhaupt seinen Wehrdienst abgeleistet hätte. Wofür also würde ich mein eigenes Blut einsetzen? Für die eigene Freiheit, für die Freiheit der USA und auch die Freiheit der Bündnispartner, etwa Deutschlands, weil dies mit meiner persönlichen Freiheit unmittelbar verbunden ist.

Mein eigenes Leben, meine Gedärme gehen nur mich etwas an und in dem Bereich bin ich aus purem Überlebenstrieb extrem egoistisch: Aus irgendwelchen Ideologien heraus oder wegen der vermeintlichen Freiheit in irgendwelchen anderen Ländern, die wir ohne deren Kolonialisierung gar nicht gewährleisten können, würde ich mir nicht meine Gedärme wegbomben lassen.

Niemand sollte sich ein Urteil für einen Krieg erlauben, der nicht gleichzeitig bereit ist, sich als Schütze Arsch an einem solchen Krieg zu beteiligen.

Wegen internationalisierter humanistischer Kriegstreiberei wird dieses Blog aus der verlinkten Liste entfernt.