Gott schütze unser Land!

Die Antrittsrede Christian Wulffs als neuer Bundespräsident bendete der Katholik  mit den Worten: „… Gott schütze unser Land.“ Das hörte sich etwas nach „Gott mit uns“ an, wodurch es allerdings weniger religiösen, als vielmehr kulturellen Ausdruck hatte. Im Gegensatz zu der integrativen Formulierung Obamas „We are a nation of Christians and Muslims, Jews and Hindus and non-believers.“ ein unübersehbarer Gegensatz.

Die Linkspartei war am Ende diejenige gewesen, die die freie Wahl hatte zwischen Gauck und Wulff, wobei sie durch Enthaltung Wulff zum Bundespräsidenten gemacht hatten. Sonderbar wirkte da deren Kandidatin Lukretia Jochimson, die nach den Glückwünschen nicht einmal die Nationalhymmne mitsingen wollte – oder konnte sie nicht?

Der hpd berichtet zur Wahl am 30.06.2010:

„Kritische Stimmen hatten noch gestern gefragt: „Wulff: Ein Missionar auf dem Weg nach Bellevue?“ Belegt wurde diese Frage mit den bekannt gewordenen Kontakten des Katholiken Wulff zu religiösen Eiferern aus dem evangelikalen Spektrum. Er ist nicht nur Mitglied im Kuratorium von „Pro Christ“, einem evangelikalen Verein für Massenevangelisationen, sondern vor erst fünf Wochen, also kurz vor seiner Nominierung zum Bundespräsidenten, eine Rede vor dem Arbeitskreis Christlicher Publizisten, der von Insidern politisch dem eher rechten Rand zugeordnet wird.

Auf diese Verbindungen hatte auch die gemeinsame Initiative säkularer Organisationen „Wulff im Schafspelz – nein danke!“ hingewiesen.“

Nachbearbeitung des Artikels: 01.07.2010

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Causa Mixa

Walter Mixa ist nun schon seit geraumer Zeit abgesetzt. Ruhe kehrt in dieser Sache dennoch nicht ein. Halten wir fest: Kurz vor seinem Rücktrittsgesuch war massiv öffentlicher Druck ausgeübt worden auf Mixa auch von Seiten seiner Kollegen. Wie kann dies erklärt werden? Weiß der Vatikan etwa nicht selbst, wann er einen Bischof in die Schranken weisen muss oder wann ein Bischof abgesetzt werden sollte? Vermutlich schon.

Die Causa Mixa ist mittlerweile zu einem Wirrwarr von Vorwürfen geworden: Auf die Anschuldigungen, er habe Kinder Geschlagen, hatte Mixa zunächst betont, er sei reinen Herzens und hatte damit quasi alles abgestritten. Schließlich hatte er gesagt, er könne sich nicht erinnern: Ein Eingeständnis, ein Gewalttäter zu sein war dies nicht. Auch war von Mixa nicht zu vernehmen, dass er heute die Körperverletzung an Kindern zu Erziehungszwecken zur damaligen Zeit ernsthaft missbilligt. Weiter kamen die Vorwürfe der Veruntreuung hinzu, angeblich seien für das Kinderheim bestimmte Gelder für teure Antiquitäten und Wein ausgegeben worden. Schließlich kam es zu dem Vorwurf, Mixa habe ein massives Alkoholproblem. Schließlich kamen die als unberechtigt bewerteten Vorwürfe hinzu, Mixa habe selbst sexuellen Missbrauch verübt.

„Unabhängig voneinander hätten sich zwei Priester genau bezeichneten Personen offenbart und von sexuellen Übergriffen berichtet, die ihnen gegen ihren Willen, jedoch in einem Zustand emotionaler Abhängigkeit, angetan worden seien. Es sei von einer „weichen Vergewaltigung“ die Rede.“ (Die Welt, S. 4, 21.06.2010).

In den letzten Jahren hatte Mixa sich durch radikale Aussagen exponiert. Im Nachhinein fragt sich, weshalb diese Positionierungen durch seine Bischofskollegen nicht adäquat relativiert worden waren. Gab es einen Maulkorb von Seiten des Vatikans?

Für den Umstand, dass Mixa einen direkten Schutz von Seiten Ratzingers genossen hatte spricht der Umstand, dass Mixa auch nach seinem Rücktrittsgesuch Anfang Juli direkt bei Ratzinger vorgelassen werden wird, also noch unmittelbar im zeitlichen Zusammenhang mit den Skandalen. Mixa war durch Ratzinger persönlich ins Bistum Augsburg befördert worden. Warum erfolgte dies, wenn Mixa Positionen vertrat, sich mit allen Seiten anzulegen – insbesondere auch mit dem aufgeklärten Teil der Welt – während Ratzinger selbst vor seinem Pontifikat durchaus den Dialog gesucht hatte. So existiert sogar ein Buch „Gibt es Gott“, in dem Ratzinger ein Gespräch mit dem Atheisten Paolo Flores d Arcais führte. Deratrige Dinge hatten Ratzinger bei seinem Amtsantritt geradezu den Ruf eines Philosophenpapstes eingebracht.

Fakt ist, dass Mixa in ungewöhnlicher Art und Weise bei Ratzinger ein Stein im Brett hatte und dass dementsprechend zu erwarten ist, dass im Juli für Mixa eher Huldigung und Rehabilitation zu erwarten ist, notfalls durch ein Bischofsamt in Südamerika – falls sich das Gespräch bis dahin nicht auf andere Art und Weise erledigt.

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Mixa im Fegefeuer

„Das Grauen“ von Armatus Liandri

Das bereits vor wenigen Monaten eingestellte Bild von Armatus Liandri mit der Darstellung Walter Mixas erhält mit seiner neuesten Aussage in einem Interview bei der Tageszeitung „die Welt“ vom 16.06.2010: „Der Druck war wie ein Fegefeuer“, so Mixa.

An diesem Beispiel sieht man, wie der Inhalt eines Bildes durch nachträgliche Ereignisse eine andere Bedeutung und je nach zeitlichem Betrachtungspunkt einen anderen inhaltlichen Wert erlangen kann. Die Objektivität der Wahrnehmung wird immer von der subjektiven Position des Betrachters bestimmt, was sich gerade in den unterschiedlichen Interprätationsmöglichkeiten dieses Bildes niederschlägt.

Gauck oder Wulff

Plankton

Der humanistische Pressedienst (hpd) berichtet am 10.06.2010: „Christian Wulff ist für das Amt des Bundespräsidenten denkbar ungeeignet!“, erklärte der Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs), Michael Schmidt-Salomon. „Wie soll eine Bevölkerung, die zu mehr als einem Drittel aus konfessionsfreien Menschen besteht und die sich sogar zur Hälfte als ‚nicht-religiös’ einstuft, einem Mann vertrauen können, der sich im Kuratorium der bibeltreuen, missionarischen Organisation ‚Pro Christ’ engagiert? Ein Bundespräsident, der Gruppierungen unterstützt, die aufgrund religiöser Wahnideen die Evolutionstheorie leugnen und Schwulenhetze betreiben, ist völlig untragbar! Das Mindeste, was Christian Wulff nun tun müsste, damit er politisch noch halbwegs Ernst genommen werden kann, wäre ein sofortiger Austritt aus dem Kuratorium von ‚Pro Christ’! Doch selbst, wenn er diesen Schritt vollziehen würde, bleiben starke Bedenken gegen seine Person, da er offensichtlich nicht willens oder intellektuell nicht in der Lage ist, empirische Fakten anzuerkennen und daraus korrekte, logische Schlüsse zu ziehen. Einen Mann, der im weltanschaulichen Bereich derart hinterwäldlerischen Mythen anhängt, sollte man nicht zum obersten Repräsentanten eines säkularen Staates machen!“ (hpd-Zitat Ende)

Nun ist Gauck sogar ein ehem. evangelischer Pastor.  Seinem Tenor nach räumt Gauck aber stets den Bürgerrechten Vorrang ein, d. h. es besteht bei seiner ganzen Persönlichkeit und bei seinem Auftreten nicht die Gefahr, dass er ein staatliches Amt mit der Verpflichtung zur Einhaltung der Menschenrechte und insbesondere auch des Gleichheitsgrundsatzes missbrauchen könnte, etwa zu missionarischen Zwecken oder einseitiger Bevorzugung oder Benachteiligung bestimmter Bevölkerungsgruppen.

Trotz resoluter Mehrhheit von Schwarz-Gelb in der Bundesversammlung wird es für Wulff problematisch werden, weil vielen Parlamentariern die massive Druckausübung auf das Parlament bei der Griechenland-Hilfe und dem Superwährungspaket noch schwer im Magen liegt. Dies steht auch im Kontext mit der Bundespräsidentenwahl, denn hinter vorgehaltener Hand ist es ein offenes Geheimnis, dass Köhler genau aus diesen Gründen zurückgetreten ist, weil er sich bei der Absegnung von Milliardenverschiebungen ins Ausland unter Druck gesetzt gefühlt hat und ihm kein ausreichender Respekt von der Regierung entgegen gebracht wurde.

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von der Leyen zur Bundes-Uschi?

Ursel von der Leyen wird offensichtlich allen Ersnstes als Kandidatin für das Bundespräsidentenamt gehandelt. Was sich zunächst wie ein blöder Scherz anhörte, scheint völlig ernst gemeint zu sein.

Bundesuschi?, Urheber Michael von Aichberger, Creative Commons 3.0, GNU (siehe Fuß)

Nach dem religiösen Hotte Köhler, der die Bibel für das wichtigste Buch hielt, wäre Ursula von der Leyen eine verfassungsrechtlich unhaltbare Verschlimmbesserung:

Nicht nur, dass von der Leyen in verfassungswidriger Art und Weise versuchte, das Ferkelbuch zu verbieten, weil ihr die atheistischen Ansichten des Buches nicht passten, nein, sie hält sogar die 10 Gebote für eine Grundlage des Grundgesetzes.

Problematisch ist dies deswegen, weil der Bundespräsident gerade nicht nur die Aufgabe hat, zu repräsentieren, sondern weil er eine dem Bundesverfassungsgericht vorgeschaltete unabhängige Kontrollinstanz für das Inkrafttreten von Bundesgesetzen darstellt.

Wie der Absolutheitsanspruch der 10 Gebote mit der völligen Gleichwertigkeit aller Weltanschauungen und Religionen in Einklang kommen soll, die den Atheismus quasi in einem Athemzug mit Mord nennen, bleibt wohl Ursel von der Leyens Geheimnis, ebenso wie die in den 10 Geboten mittelbar tolerierte Sklaverei mit dem Grundgesetz in Einklang gebracht werden soll, ist schlechterdings nicht nachvollziehbar.

Von der Leyen würde als Bundespräsidentin das Land noch weiter auseinandertreiben und radikalisieren.

Eines steht fest: Wenn es zur Bundesuschi kommt, haben wir 5 Jahre Programm, ohne ein Wort zu katholischen Hardlinern verlieren zu müssen, auch ohne Ratzinger. Respekt vor dem Amt kann es nur so weit geben, wie die Äußerungen des Amtsträgers respektabel sind. Zudem wird von der Leyen ihre Äußerungen kaum revidieren wollen.

Urheber: Michael von Aichberger Bildlizenzen: GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Creative Commons-Lizenz Namensnennung 3.0 Unported